Jedes Jahr dasselbe… kaum ist der Frühling/Sommer da, sieht man gefühlt 1000 Pärchen, die sich verliebt anlächeln, küssen und auf rosaroten Wolken schweben. Man hört von Hochzeitsmessen, wird auf Polterabende oder Junggesellen:innen Abschiede eingeladen… aber man selbst hat das Gefühl, das Leben rennt an einem vorbei. Es geht so vielen so… nur spricht kaum noch einer offen darüber. Zugeben, dass man einsam ist, ist „uncool“ geworden in Zeiten, in denen „single sein“ schick ist, die Unabhängigkeit „gehypt“ wird und mehr Datingportale am Start sind, als gescheite Orthopäden. Das dies ein Wiederspruch in sich ist, scheint niemandem aufzufallen. Denn wenn Single sein so genial wäre, wozu dann so viele Dationgportale? Was ist das für ein Trend? Geht es hier um „Ego stärken“ oder „nicht festlegen wollen“ – Ghosting scheint ebenfalls im Trend zu liegen – und das ist eine ganz böse und miese Nummer – aber auf die komme ich in einem extra Blog zu sprechen.

Was mache ich falsch – ist eine mir oft gestellte Frage im Single-Coaching..

Sind Datingportale alle Mist und nur für die „schnelle Geschichte“ – und wollen dort alle nur das Eine?

Ich persönlich halte nicht viel von den Beziehungsratgebern, die Strategien für Männlein und Weiblein anbieten, und einem sagen, wie man das bevorzugte Geschlecht „angelt“. Ich glaube, dass es nach wie vor immer darum geht, was will man selbst.. und was ist man bereit zu geben….

Und hier mal meine Sicht auf die Dinge:

TIPP 1: Was will ich wirklich?

Bevor Du auf Dich die Suche nach einer Beziehung begibst, werde Dir klar, ob Du wirklich einen Partner:In willst – oder ob dieser Wunsch aus dem Druck herauskommt, dass „alle einen haben“, oder dass die Familie und Freunde meinen: „Du müsstest endlich mal unter die Haube“, weil Du „einsam bist“ – aber ehrlich gesagt würdest Du ohne diesen familiären oder Freundeskreisdruck gar keinen Partner:In suchen. Oder vielleicht suchst Du, weil Du „finanziell besser gestellt wärst mit einem Partner, mit einem Lottogewinn, aber garantiert keinen suchen würdest“, etc. etc. etc. …  Wenn nur einer dieser externen Gründen zutrifft, würde ich mir keinen Beziehung suchen, sondern an diesen Baustellen arbeiten.

TIPP 2:  Erstelle ein Wunschprofil

Wenn Du Dir darüber klar bist, dass Du wirklich einen Partner möchtest und eine Beziehung leben willst, dann erstelle Dir ein Wunschprofil. Damit meine ich gar nicht so das Aussehen, sondern,  wie Du Dir Deinen Traumpartner:in vorstellst. Was ist Dir wichtig? Welche Eigenschaften sind ein MUSS  – welche ein NO GO? Vielleicht schaust Du Dir mal in Deinem Umfeld Partner:innen von Freunden, Kollegen etc. an, die Dir gefallen oder wo Du ein wenig „neidisch rüberblinzelst“, weil es auch so zu Deinen Vorstellungen passt. Schreib es Dir wirklich mal auf – auch das was Du gar nicht möchtest… Es ist nicht unlogisch Dir ein (und das meine ich mit einem Augenzwinkern) „Stellenprofil“ zu erstellen, für den Menschen, mit dem Du gerne alt werden möchtest.

 

TIPP 3: Fundort auswählen: Digital oder direkt?

Es spricht nichts gegen online Datingportale – abere es spricht etwas gegen langweilige Profile in diesen. Wenn man in Datingportalen stöbert – liest sich fast jedes Profil gleich. Aber bist Du wirklich wie jede(r) ? Was macht Dich aus? Was macht Dich besonders? Klar will jeder jmd. der treu ist, Humor hat .. aber die wenigsten erzählen etwas über sich. Wenn Du  auf „cool“ machst, aber in Wirklichkeit extrem viel Nähe brauchst, wirst Du vermutlich die falschen Personen anziehen. Wenn Du Dich, nur um Dich interessant zu machen, für den Abenteurer bewirbst – Dir aber Cluburlaube lieber sind, als mit Rucksack durch die Welt zu ziehen, wird es mit Sicherheit schief gehen. Bleib bei Dir … mach nicht zu viele Kompromisse, wo Du sie im realen Leben auch nicht eingehen würdest. Das geht sonst langfristig schief. Dabei ist es nicht verkehrt, vielleicht auch mal in sich reinzuhören, ob Wandern tatsächlich nur was für best Ager ist, oder ob man das nicht auch mal ausprobieren könnte. Man muss auch nicht alles in einer Beziehungn gemeinsam machen, nur verbiegen, dass sollte man sich nicht, nur um gemocht zu werden.

TIPP 4: Sage mir, wie Du Dich zeigst, und ich sage Dir   was Du bekommst.

Egal, ob Du den Satz altmodisch findest – er stimmt noch immer. Fotos sollen etwas vermitteln – sie zeigen uns so, wie wir sind, oder gesehen werden wollen. Nicht umsonst, ist es mittlerweile LEIDER usus, dass so viele Filter auf Fotos gelegt werden. Wozu? Irgendwann muss man ja doch Farbe bekennen, dass die Haut nicht makellos ist (ist sie bei niemandem) oder dass die eine oder andere Falte im Gesicht ist. 

 

Also – zeig Dich in Deinem Profilbild oder auf Fotos so wie Du bist. Wenn Du nun gar kein gescheites Foto von Dir hast, dann bitte eine vertraute Person Dir zu helfen, oder zur Not, nimm Dir einen Fotografen. Aber mal ehrlich, es wirkt einfach natürlicher, wenn man sich selbst auf dem Foto erkennt und authentisch ist. Frag Freunde und Familie, was Dich positiv ausmacht, und frag Dich was Dir Spaß macht – in dieser Situation lass Dich fotografieren. Die schönsten Fotos sind die, bei denen man nicht merkt, wenn man fotografiert wird – vorausgesetzt, der Fotograf möchte Dich auch „schön und vorteilhaft“ in Szene setzen. 

By the way… Selfi´s bitte!! bitte nicht von unten aufnehmen – auch nicht von oben..  Niemand sieht gut aus, wenn sich alles, dank Erdanziehungskraft, nach unten schiebt. Aber auch die hoch retuschierten Fotos vom Fotografen sind nicht wirklich dafür gedacht. Ich selbst hatte vor Jahren mal ein Treffen mit jemandem, den ich niemals so auf der Straße erkannt hätte. Ja, super Arbeit des Fotografen, aber wenn dieser aus einem Menschen einen völlig anderen zaubert, ist auch dies nie zielführend, eher peinlich.

 

Und wie gehts weiter?

Schritt 1: Da tut sich was……

Meine Großmutter sagte immer: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass, geht nicht“ – sie war eine weise Frau. Wir leben im Jahr 2022 und es ist überhaupt nicht nötig, dass man als Frau oder als Mann den ersten Schritt tun muss. Erlaubt ist, was man möchte. Selbstverständlich ist es legitm, sich hinzusetzen und darauf zu warten, dass man angeschrieben wird. Man kann darüber natürlich ggf. alt werden.. und nichts geschieht, was einen vermutlich nicht zufrieden stellt. Man könnte aber auch sein Schicksal selbst in die Hand nehmen… was hat man zu verlieren? Wer sich in online Datingportalen rumtreibt sollte wissen, dass man nichts persönlich nehmen sollte. Dort tummelt sich alles… die Narzissten, die Egoisten, die Verschwurbelten, die Träumer, die Aktiven, die rüstigen Pensionäre, die die schon lange nicht mehr arbeiten müssen, die frisch getrennten, die ihr Ego und ihren Marktwert testen müssen (bewusst oder unbewusst), die Jäger und  Sammler etc. – aber auch die – die wunderbar zu Dir passen würden. Nicht jeder muss einen Aufreißer und Sammler sein. Wir alle haben einen vollen Alltag, gehen nicht mehr so ungezwungen auf andere zu, wie es noch in der 10. oder 11. Klasse der Fall war. Corona hat seinen Teil dazu getan. Oftmals ist man abends einfach so kaputt, dass man nicht mehr um die Häuser ziehen mag, oder man hat das Pech, dass alle im Freundeskreis gerade auf Familie machen und eben nicht mehr mit um die Häuser ziehen wollen. Da bleibt oftmals eben nur noch das Online-Dating… und die Singles im Bekanntenkreis hat man vermutlich dann auch schon erfolglos für sich geprüft…

Wenn Du also den Mut gefunden hast, Dich auf einer Datingplattform anzumelden, dann bummel nicht, sondern sorge für Dich selbst… 🙂

Kurze Anmerkung: Ja, ich habe Kolleginnen, die auch auf den günstigen Plattformen einen netten Parter:In gefunden haben – aber meine persönliche Meinung ist immer noch die, dass sich mehr ernsthaft interessierte Menschen auf einer Plattform anmelden, die auch was kostet. Die Menschen, die nur die schnelle Nummer (pardon) suchen, geben ungern dafür noch Geld aus. Ist offenbar auch gar nicht nötig.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass wg. des Textflusses ich hier mal nicht gegendert habe. Es sind alle angesprochen: m/w/d !

Mein Rat: Trau Dich und schreibe jemandem ein paar nette Zeilen und versuche Dein Glück. Wenn nichts kommt – dann halt nicht. Aber wenn, dann weißt Du wenigstens, ob es sich gelohnt hat oder nicht. Außerdem schult es das eigene Bauchgefühl, wenn man viele unterschiedliche Charaktere trifft.

 

 

 Schritt 2: Hilfe – mein Gegenüber ist interessiert – und dann?

Fein, das ist doch wunderbar 🙂

Mein Rat: Haltet Euch nicht mit wochenlangen Tagebuchschreibereien über Email oder Whatsapp etc. auf – telefoniert. Spätestens seit Google, Facebook & Co sind wir gläsern. Wenn Du unsicher bist, schaff Dir extra für Deine Partnersuche eine prepaid Karte an, dann bist Du zunächst auf der sicheren Seite. Aber verschwende doch keine Zeit mit wochenlangem texten. Eine Stimme am Telefon sagt schon so viel aus und bewirkt in uns auch schon sehr viel. Ich bin mir sicher, dass die meisten Menschen nach dem ersten Telefonat wissen, ob die Person am anderen Ende ein Treffen wert ist oder nicht. Wenn Du auch nur annähernd ein schlechtes Gefühl hast…. next!

Schritt 3: Das erste Treffen:

Sei Du selbst. Wenn Du immer in Sneakern unterwegs bist, macht es wenig Sinn plötzlich die 10 cm Highheels anzuziehen. Noch weniger, wenn Du darauf nicht laufen kannst. Gleiches gilt für den männlichen Part : Wenn Du gerne in Anzug und Hemd rumläufst, wirkst Du im hippen Paradiesvogeloutfit deplaziert.

Triff Dich vorzugsweise erstmal an belebten Stellen, und nicht gleich zum Abendessen bei ihm/Ihr. Warum nicht gemeinsam frühstücken, oder ein Mittag essen und danach irgendwo bummeln gehen etc. Wenn Ihr Euch gar nicht zusagt, dann ist der Tag noch frei für Euch beide und man hat auch nicht so ein mulmiges Gefühl, als wenn man sich im Dunkeln verabschiedet. Prinzipiell plädiere ich auch immer dafür, Absagen so wertschätzend wie möglich zu formulieren. Niemand hat es verdient mit den Worten: „Puh, Du gehst ja gar nicht“, abgespeist zu werden. Aber das versteht sich ja von selbst.

Und… es gibt Statistiker, die sagen, dass man ca 350 Dates im Leben hat, bis man seinen Traumpartner trifft…  lächel… Ja, Statistik halt… – aber es muss ja nicht so sein und wird auch hoffentlich nicht so sein. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Aber nimm es nicht persönlich, wenn es einfach nicht direkt klappt. Je älter wir werden, um so anspruchsvoller werden wir auch. Oft bauen wir uns eine Schutzmauer auf und merken dies gar nicht. Andere wiederum, hängen noch so in der Vergangenheit fest, dass sie jeden neue Person mit dem alten Partner vergleichen. Schade, denn so bekommt niemand eine Chance. Wir sind alle nicht fehlerfrei und haben unsere Ecken und Kanten. Und das ist auch gut so. Wichtig ist nur, dass wir nicht permanent in einer Beziehung aneinander anecken.

Gemeinsamer Humor ist etwas sehr wichtiges – und auch wenn sich Gegensätze anziehen, so sind doch ein paar gemeinsame Interessen von Vorzug. Wer Veganer ist, wird sich ungern mit einem Steakliebhaber einlassen. Hundefreunde werden keine Freude daran haben, wenn das Gegenüber strikt gegen Hunde ist.

Was meiner Meinung nach ein „No-Go“ ist und ein selbstverursachter Beziehungskiller: Wenn man mehrere Dates auf einmal bedient. Das ist nicht nur respektlos den Dates gegenüber. Man kann sich auch gar nicht auf eine Person konzentrieren. Dann wird die Partnersuche zum Handel… ein wenig wie auf dem Bauernmarkt… und so möchte man selbst ja auch nicht behandelt werden. Es sind immer noch Menschen – keine Katalogware…

 

Also… werdet Euch erstmal klar :

– bin ich bereit für eine Beziehung

– wie soll mein Partner:In sein?

– was geht gar nicht?

– was bin ich bereit zu geben und kann ich es auch?

UND  DANN:

Gebt der Liebe eine Chance