Auch aus Krisen kann man positiven Nutzen ziehen

Man kommt ja kaum mehr an dem Wort „RESILIENZ“ vorbei, aber nicht alle wissen was damit gemeint ist. Und darum möchte ich ein wenig Aufklärungsarbeit darüber leisten.

Sie haben sich vielleicht auch schon einmal gefragt, warum einige Menschen gefühlt immer wieder aufstehen und geradezu unverwüstlich durchs Leben gehen, hingegen andere gemessen daran, sich auch mit kleineren Unwegsamkeiten des Lebens schwer tun.

Also was hat es denn nun mit dieser RESILIENZ auf sich?

Psychische Widerstandsfähigkeit nennt man RESILIENZ.

In der Psychologie werden diejenigen Menschen als resilient bezeichnet, die psychisch widerstandsfähig sind. Resilienz wirkt wie ein seelisches Immunsystem, das hilft, Krisensituationen durchzustehen oder sogar gestärkt daraus hervorzugehen.

Die psychische Widerstandskraft ist bei Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Der eine hat sie mehr, der andere weniger. Die gute Nachricht ist aber : „Resilienz lässt sich trainieren“.

Es lohnt sich tatsächlich, dies auch umzusetzen, denn es lebt sich dadurch nicht nur leichter, sondern auch gesünder und vermutlich dadurch auch länger. Denn die Tatsache, dass man durch Resilienz weniger gestresst ist, bedigt auch,  dass das  Stresshormon „Cortisol“, weniger ausgeschüttet wird. Cortisol ist ein Stresshormon und für die Entstehung  von zu hohem Blutdruck und Herzinfarkt verantwortlich, gleichzeitig wird das Imunsystem dadurch geschwächt und die Infektanfälligkeit erhöht.

Und wie werde ich resilienter?

1. Optimismus

Wer optimistisch ist, geht bei belastenden oder schwierigen Situationen vom besten aus und glaubt fest daran, dass er die Situation so gut wie machbar übersteht und auch überwindet. Ist die Situation dann ausgestanden, merken resilienten Menschen sich diesen Erfolg. Sie hängen nicht am „Negativen“ fest, sondern sehen die Krisensituation aus dem Blickwinkel der „Krisenbewältigung“. „Toll, dass ich das geschafft habe, dann werde ich auch andere Situationen schaffen“. Optimismus macht schafft also nicht nur Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, sondern vermittelt auch Mut, die Chancen zu ergreifen, die sich bieten. In schwierigen oder belastenden Situationen werden optimistische Menschen länger durchhalten oder länger an einer Lösung arbeiten, weil sie mit einem guten Ausgang rechnen.

 

2. Selbstwirksamkeitserwartung

Wir alle haben eine Erwartung im Hinblick auf unsere Fähigkeiten bzw. im Hinblick auf die Dinge, die wir damit erreichen können. Dies wird als „Selbstwirksamkeitserwartung“ bezeichnet. Wer eine hohe Reslienz hat, geht davon aus, dass er stressige Situationen und belastende Ereignisse irgendwie überstehen wird. Resiliente Menschen sehen unbequeme Ereignisse oder stressige Situationen als „Herausforderung“ an. Sie vertrauen au ihre eigenen Fähigkeiten, und sie erinnern sich an Ereignisse, die sie schon überstanden haben. Sie nehmen Veränderungen nicht so tragisch, sondern sind offen dafür. Rückschläge nehmen sie nicht persönlich, sondern oft als gegeben oder in dieser Situation als nicht anders händelbar wahr. Eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung entsteht, wenn Menschen ihre Erfolge den eigenen Fähigkeiten zuschreiben oder wenn andere diese Fähigkeiten durch positives Feedback anerkennen.

 

 

3. Soziales Netzwerk

Wir alle wissen, helfende Hände tun einfach gut, wenn man sie braucht. In belastenden Situationen hilft es daher, über ein gutes soziales Netzwerk aus Familienangehörigen, Freunden und Kollegen verfügen zu können. Je größer und stabiler das soziale Netz, desto mehr kann man sich auf helfende Hände verlassen. Dabei reicht es oft schon, dass man über das Wissen verfügt, man kann in Notfallsituationen auf die Hilfe anderer zurückgreifen, die Hilfe muss noch nicht einmal in Anspruch genommen werden, Allein die Aussicht, dass das soziale Netz einen auffängt, stärkt die psychische Widerstandsfähigkeit.

 

4. Kontrollüberzeugung

Viele Menschen neigen dazu, Ihr Schicksal bei äußeren Gründen wie „Pech, Schicksal, Glück“ zu vermuten. Wer so denkt, geht davon aus, dass es eine unbekannte Macht gibt, die die Dinge für sie lenkt, und dass das Ereignis sowieso eingetreten wäre, egal ob sie es gewollt hätten oder nicht. In diesem Fall spricht man von einer „schwach ausgeprägten Kontrollüberzeugung“.  Resiliente Menschen haben genau das Gegenteil, nämliche eine „stark ausgeprägte“ Kontrollüberzeugung. Sie davon überzeugt, dass sie selbst Situationen steuern können, und dass sie durchaus Einfluss und Kontrolle auf Dinge nehmen können. In Krisensituationen fühlen sie sich nicht machtlos oder der Situation ausgeliefert. Sie nehmen keine Opferrolle ein, sondern werden zum Täter und übernehmen Verantwortung für ihre eigene Situation.

 

5. Positive Selbstwahrnehmung

Gaaanz wichtig! Die Wertschätzung der eigenen Person ist resilienten Menschen höher. Das macht einen großen Teil ihrer psychischen Stabilität aus. Ihre eigene Wertschätzung lässt sie unabhängig von der Anerkennung der anderen sein.  Sie bewerten sich selbst positiv und sind sich ihrer eigenen Fähigkeiten bewusst. Sie nehmen sich so wie sie sind und finden sich gut so.

 

 

6. Akzeptanz

Menschen die psychisch wiederstandsfähig sind haben keine Probleme mit Veränderungen, sie akzeptieren sie und versuchen das Beste daraus zu machen. Für sie sind Veränderungen Teil des Lebens und Krisen werden als überwindbare Phasen angesehen. Resiliente Menschen passen sich den veränderten Situationen an. Sie akzeptieren, dass es nicht immer eine Lösung gibt und das Leben nicht immer planbar ist. Sie erkennen  aber auch, wenn es keine Lösung gibt, und sie wissen, dass sie nicht auf jede Frage eine Antwort haben. Und Sie schauen über den Tellerrand, um nicht aus den Augen zu verlieren, dass andere auch mit Krisen umgehen müssen und oft auch können.

 

 

7. Positive Emotionen

Wir alle durchleben immer wieder ein Wechselbad an guten und schlechten Gefühlen, an Freud und Leid. Resiliente Menschen haben die Eigenschaft, dass sie die positiven Ereignisse stärker und wahrnehmen und bewerten als die negativen Ereignisse. Es ist also entscheidend wie stark die jeweiligen Emotionen wahrgenommen werden. Sie lassen den angenehmen Emotionen mehr Raum als den unangenehmen Gefühlen.

 

Resilienz trainieren  – Das können Sie tun:

Übung: Das Unvermeidbare akzeptieren

Akzeptieren Sie, was unvermeidbar ist. Das können eigene Eigenschaften sein oder Verhaltensweisen von anderen Personen oder Aspekte der Umwelt, die Sie nicht ändern können: das Älterwerden, cholerische Kollegen, unangenehme Aufgaben. Schimpfen, Jammern und Klagen verbessert die Situation nicht. Suchen Sie stattdessen gezielt nach Vorteilen: Welchen Nutzen haben Sie davon, wenn Sie beispielsweise eine unangenehme Aufgabe akzeptieren? Sie gehen gelassener an die Aufgabe heran. Oder Sie malen sich aus, wie es noch schlimmer kommen könnte. Schon sieht Ihre jetzige Lage besser aus und macht es einfacher, sie zu akzeptieren.

 

Übung: Glückstagebuch führen

Führen Sie ein Tagebuch, in dem Sie die angenehmen Ereignisse eines Tages festhalten. Schreiben Sie täglich drei positive Ereignisse in Ihr Glückstagebuch. Das können Kleinigkeiten sein, wie eine zuvorkommende Kollegin oder ein nettes Telefongespräch. Diese Übung muss nicht unbedingt schriftlich erfolgen. Sie können das auch in Gedanken machen nach der Arbeit auf dem Nachhauseweg. Besser ist aber ein Buch, weil Sie darin blättern können (siehe „Rückschau“).

 

Übung: Hinderliche Glaubenssätze umformulieren

Glaubenssätze sind Meinungen, Überzeugungen und Einstellungen, die das Handeln beeinflussen. Glaubenssätze übernehmen wir von anderen oder leiten sie aus der eigenen Erfahrung ab. Und Glaubenssätze werden selten hinterfragt. Wenn Sie meinen, „alle Chefs sind egoistische Alpha-Tiere“, werden Sie eine Position mit Führungsverantwortung eher ablehnen. Solche Glaubenssätze schränken den Handlungsspielraum ein. Finden Sie die Glaubenssätze, die Ihren Handlungsspielraum einschränken. Formulieren Sie diese Glaubenssätze so um, dass sich der Spielraum erweitert. Als kommunikativer Mensch sagen Sie sich: „Chef sein heißt motivieren und überzeugen, nicht befehlen.“

 

Übung: Schlechte Angewohnheiten umdeuten

Wählen Sie eine Eigenschaft oder eine Angewohnheit aus, die Sie an sich nicht mögen und deuten Sie diese um. Versuchen Sie, einen anderen Blickwinkel einzunehmen, unter dem die Eigenschaft oder Angewohnheit zu Ihrem Vorteil wird. Wenn Sie zum Beispiel mit Arbeit überhäuft werden und sich ärgern, dass Sie nie Nein sagen können, dann könnte die Umdeutung lauten: „Ohne mich würde der Laden hier zusammenbrechen.“ Das Umdeuten dieser als negativ empfundenen Angewohnheit stärkt Ihre Selbstwertschätzung.

 

Übung: Einflussmöglichkeiten erkennen

Wählen Sie ein Ereignis aus Ihrem beruflichen Umfeld, das negative Folgen hatte und von dem Sie annehmen, dass es nicht hätte verhindert werden können. Überlegen Sie, welche Maßnahmen nötig gewesen wären, damit das Ereignis nicht eingetreten wäre. Überlegen Sie außerdem, welche Maßnahmen nötig gewesen wären, damit die Folgen weniger schlimm ausgefallen wären. Bedenken Sie dabei: Einige Bereiche im Leben können Sie nicht ändern wie zum Beispiel den Tod eines nahestehenden Menschen. In diesem Bereich ist keine Kontrolle möglich. Dennoch haben Sie immer die Kontrolle über die Bedeutung, die Sie einer Sache geben, den Fokus, den Sie wählen und den Schritt, den Sie als Nächstes tun.

 

Übung: Rückschau auf bisherige Erfolge

Wenn Sie meinen, Sie wären einer Situation hilflos ausgesetzt, dann müssen Sie Ihre Selbstwirksamkeitserwartung stärken. Schauen Sie zurück auf Ihre bisherigen Erfolge. Denken Sie an frühere Situationen, in denen Sie ein positives Ergebnis erzielt haben. Machen Sie sich bewusst, dass Sie selbst den guten Ausgang bewirkt haben. Sie können Ihren Fähigkeiten vertrauen. Auch in der aktuellen Situation sind Sie nicht machtlos. Es mag schwierig werden, aber Sie schaffen das auch diesmal wieder.

Übung: Sozialkonto füllen

Wer anderen gegenüber freundlich und hilfsbereit auftritt, erhält auch Hilfe und Unterstützung zurück. Pflegen Sie soziale Beziehungen und machen Sie „Einzahlungen“ auf Ihr Sozialkonto. Seien Sie freundlich, hilfsbereit und aufmerksam. Gehen Sie respektvoll mit den Personen um, mit welchen Sie zu tun haben und sparen Sie nicht mit Lob und Anerkennung. Wenn Sie Hilfe und Unterstützung nötig haben, können Sie mit „Rückzahlungen“ rechnen.