Warum soll ich Laufen – es geht doch auch ohne 🙂 ?

 

BY  THE  WAY : Auf dem Bild, sieht man mich nach meinem ersten Marathon (man braucht keinen Marathon im Leben – aber wenn man ihn laufen möchte, ist es auch ok). Meine jüngste Tochter hat mich damals (2009) die letzten 400 m ins Ziel begleitet. Ich sehe nicht wirklich vorteilhaft aus auf dem Foto – aber ich war glücklich und stolz. Es war nicht die Zeit, die mir wichtig war – sondern etwas erreicht zu haben, was ich nie für möglich hielt.

Ich war früher soweit entfernt vom Laufen, wie vom Mond:

Ich war schon immer sportlich, aber Laufen war über viele Jahre überhaupt nicht meine Leidenschaft. Mir hat schon der Spurt gereicht, den ich hinter meinem Hund absolvierte, wenn er mal wieder mit dem Hausschuh meiner Kinder entwischte. Spinning und Fitnessstudio fand ich toll, Volleyball und Ski fahren klasse, etc. – aber Laufen.. „ach nö, dass überlass mal den Dünnen, Mageren oder genetisch dazu Auserkorenen…außerdem endete jeder klägliche Versuch nach 100 m mit Keuchen und ohne Freude.

Ich hatte meinen Sport, da wusste ich was ich kann und was nicht, wollte aus der Comfort Zone nicht heraus – warum auch? Ich war einfach fest davon überzeugt, dass LAUFEN der Sport der ANDEREN war … wie man sich doch täuschen kann 🙂

Die Wende…..

Und dann zog ich aus beruflichen und privaten Grüden mit meinen Kindern 2002 nach Rheinland Pfalz. Hier kannte ich zunächst bis auf eine Person niemanden, hatte eine Vollzeitstelle und musste ca 3000 km im Monat pendeln. Die Abende und freien Stunden waren den Kids gewidmet und der Eingewöhnung. Da ich in ein kleines Weindorf bei Bingen zog und man mir dort herzlich „Tür und Tor öffnete“, hatten wir schnell einen Wohlfühlplatz gefunden und ein Netzwerk an Freunden und Bekannten aufgebaut. Wir waren glücklich. Aber Sport? Puh.. wo sollte der noch untergebracht werden?  Aber natürlich fehlte er mir. Kein Spinning, keine Kurse, kein Fitnessstudio. Ich saß den ganzen Tag im im Büro, 1,5 Std. gingen für das Pendeln drauf.. meine Beine waren abends schwer und geschwollen. So konnte es nicht weiter gehen. Also dachte ich.. „versuch es mit laufen…,“ das kannst Du mal zwischendurch – ich wollte so viel Zeit wie möglich für meine Kinder da sein, da kam einfach kein Fitnessstudio oder Verein in Frage.

Ein Satz mit X…..

Gesagt getan. Schuhe an und raus aufs Feld… locker antraben, ach das geht schneller… nach 200 m hörte ich meine Pumpe.. nach 300 m war Schluss, Schnappatmung – Feierabend. Der nächste Versuch – wieder so mühselig. Schnappatmung, Knieschmerzen.. Ende-Gelände. Aber andere können das doch auch? Rückblickend, hatte ich alles falsch gemacht, was ich nur falsch machen konnte. Ich schaute auf andere Läufer, schämte mich, wenn ich langsam lief und setzte mich so sehr unter Leistungsdruck, dass es nur in die Hose gehen konnte.

„Sauber, misslungen“ – „bäh ist das anstrengend.. ich will nicht mehr“,  „Hör auf mit dem Mist“ , bellte mein innerer Schweinehund.. und insistierte, dass er mit mir auf die Couch wolle. Und natürlich habe ich dem nachgegeben, aber wohl fühlte ich mich nicht. Ich war ja ein aktiver Mensch, und ich wollte etwas tun. Mein schlechtes Körpergefühl kämpfte immer wieder gegen den bellenden Schweinhund… und gewann.

Mein Dickkopf, den ich durchaus haben kann, war diesmal zum Vorteil geworden. Wenn jemand mir sagt, das geht nicht.. dann will ich es erst recht !

Der Beginn meiner Laufliebe

Ein wenig wie bei Paaren, die auch das Lied singen können: „1000 mal berührt.. 1000 mal ist nichts passiert…“

Hinfallen, Aufstehen,.. Krönchen richten:

Ich legte mir die Challenge auf tgl. 30 min vor dem Frühstück zu laufen. Vor dem Frühstück war bei mir 5.00 Uhr.

 

Und so war es. Ich ging 2 min.. dann lief ich langsam weiter.. ein Wechselspiel. Gehen – laufen – gehen…. Täglich übte ich diesen Wechsel und steigerte mich erst dann, wenn ich merkte, ich kann dabei keine Selbstgespräche mehr mit mir führen, oder über den Wahnsinn des frühen Aufstehens fluchen 🙂 . Wer beim Laufen noch reden kann, hat das richtige Tempo.

Der Anfang war wirklich nicht einfach. Mich zu motivieren, morgens um vor dem Hahnenschrei das Haus zum Laufen zu verlassen, war schwer. Ich startete meist noch im Halbschlaf,  nur mit Katzenwäsche und ich behaupte, äußerlich war ich Lichtjahre von der Person entfernt, die ich überlicherweise nach einer anständigen Dusche und Morgentoilette abgebe. Manchmal war ich so lustlos, dass ich ständig, wie ein Rohrspatz, vor mich her schimpfte…,  und mir dabei aber trotzdem die Laufschuhe anzog. Aber der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten… und  mein Ziel,  30 min durchgängig zu laufen, war tatsächlich schneller erreicht als gedacht. Das   nächstes Ziel waren 3 km, dann 5 km und dann 10 km. An dem Tag, als ich das erste Mal einen öffentlichen 10km Lauf bestritt, war ich so unfassbar stolz. Es war mir egal wie schnell ich war – ich war einfach stolz, dass ich nicht aufgegeben hatte, dass ich an mich geglaubt hatte.

Ein Film der viel bewegt hat:

Und dann sah ich den Film „Das Beste kommt zum Schluss“ mit Jack Nicholson und Morgan Freeman – in dem es über 2 Männer geht, die beide Krebs haben in einer unheilbaren Form und beste Freunde werden. Sie haben beide eine „bucket list“ , eine Löffelchenliste, auf die sie all die Dinge schreiben, die sie machen möchten, bevor sie „den Löffel abgeben“. Ich war so bewegt von diesem Film, dass ich mir Gedanken machte, was auf meiner Liste wohl stehen würde…  Und da kam in mir der Wunsch auf:  „Ich will einen ganzen Marathon laufen – einmal einen GANZEN Marathon mit 42, 195 km.“ Im Mai des folgenden Jahres 2009 erfüllte ich mir diesen Traum beim Johannes Gutenberg-Marathon in Mainz. Meine Kinder standen im Ziel,  und ich habe noch heute 1 Foto mit meiner Jüngsten, die mit mir die letzten 300 m  ins Ziel gelaufen ist. (Nicht wundern, ich hatte mir zu der Zeit mal die Haare dunkel gefärbt).  Ich brauchte damals 4.25 Std. – und es war mir so egal, ob das gut oder schlecht war.

Es war ein so toller Lauf.. keine Uhr im Genick, nur purer Stolz und Freude.. Es ging nicht um die Kilometerzahl, es ging auch nicht um Leistung, es war das unbeschreiblich tolle Gefühl, dass man etwas erreicht hatte, von dem man nie glaubte, es erreichen zu können.

Man muss keinen Marathon laufen, um dieses Gefühl zu haben. Marathon steht für mich lediglich für einen Traum, meinen Traum, einen Wunsch, ein Ziel, dass ich erreichen wollte, und von dem ich mal gefühlt so weit entfernt war wie vom Mond.

Niemand hat behauptet, dass das Leben immer schön und einfach ist:

Jahre später hatte ich einen Einbruch, der 3 Jahre dauern sollte.  Meine Gesundheit spielte verrückt und mein Wettkampfsport in der Kindheit und zu viel beruflicher wie privater Stress, sollten mich jetzt einholen. Ich war achtsam mit allem und jedem gewesen – nur nicht mit mir selbst. Die Ärzte waren ratlos, warum ich ständig Schmerzen hatte, und am Ende waren meine Überbeweglichkeit, Arthrose, Hüfte, Bandscheibe, Fibromyalgie, Rheuma.., Stress, usw. daran schuld. Ihr denkt – welch eine Menge an Diagnosen..?!  Ja, das dachte ich auch. Keiner wusste warum es mir schlecht ging und so stellte jeder eine andere Diagnose.  In einem waren sie sich alle einig.. laufen sei vorbei. Ich solle mich damit abfinden, dass ich max 3 km, wenn überhaupt laufen könne.

Für mich, die mittlerweile eine Laufliebe entwickelt hatte, brach eine Welt zusammen. Es ist egal, was man liebt.. Tiere, Sport, Schach, Autos, seinen Beruf.. egal welches Hobby man betreibt, wenn man mitten im Glücksgefühl alles aufgeben soll, dann tut das weh. Zielentbindung ist nicht einfach.. und wirklich wie Trauerarbeit. Es war seine schlimme Zeit für mich, denn Zielentbindung und Zielneubindung ist nicht einfach. Mit dem Wegfall des Laufens fiel ja auch ein ganzer Lebensbereich weg. Meine Laufgruppe, Freundschaften, meine Freizeit war plötzlich ohne liebgewonnene Rituale, es fehlte mir so sehr.

Mein Vorteil ist, dass ich ein sehr positiver Mensch bin und schon sehr viel erlebt und auch überwunden habe. Das schafft Resilienz. Ich vertraue immer darauf, dass es einen Weg gibt, den man einschlagen kann. Wenn es nicht der ist, den man geplant hatte, dann baut man die Strecken um. Und so begann ich, auf meinen Körper zu hören und änderte vieles. Ich verschaffte mir Zeit und Raum für Privates. Trennte mich von Menschen und Dingen, die Energie fraßen und baute langsam Muskulatur auf.

Statt zu laufen fing ich an zu wandern. Ich hatte das Glück, dass meine beste Lauffreundin, Birgit, mich nie aufgegeben hatte und immer für mich da war. Sie lief weiter und wanderte aber auch mit mir. Danke, Birgit dafür 🙂

Und plötzlich, irgendwann war er wieder da.. der Wunsch: Laufschuhe an und raus… – es ist verrückt, seit diesem Tag lief es wieder wie früher. Ich begann aber auch hier wieder völlig gesund.. 1,2, 3km, 5km, 10 km.. aber der Körper merkt sich gerade beim Laufen die Leistungen. Ich kenne keine Sportart, die sich  so schön und motivierend aufbaut. Ich laufe nur keinen ganzen Marathon mehr, dafür baue ich ab und an eine Megawanderung bis 50 km ein. Auch hier haben wir im Laufe der Zeit langsam Kondition, Muskeln und Köper dran gewöhnt.

Ich laufe besser, gesünder, glücklicher und weiser denn jeh, und mit mehr Dankbarkeit und Demut.

Laufen ist heilsam. Es baut Stress ab, Endorphine und Dopamin werden frei. Dopamin ist genau der Neurotransmitter, der im Kampf gegen Depression eingesetzt wird.  Laufen ist  viel, viel mehr, als nur „irre durch den Wald rennen“. Laufe hat auch nichts mit „ich muss schneller, besser, länger, laufen als  XYZ zu tun. Laufen kann zum Freund werden, medidativ sein, und so viel mehr  – aber dazu an anderer Stelle.

Wer wirklich mit Liebe läuft, der entdeckt auf den Wegen so vieles und am Wichtigsten sich selbst.

Laufen ist wie Kurzzeitherapie.. und das ist wissenschaftlich belegt. Wer „gesund“ läuft lebt länger, beugt Depressionen vor und steuert auch gegen sie an. Wer läuft kann gegen Sucht ansteuern, senkt langfristig die Gefahr von Herz und Kreislauferkrankungen und es ist unfassbar gut gegen Stressabbau und ist, wie schon oben angesprochen noch bei ganz viel anderen Krankheiten unterstützend.

Das der Körper es noch dazu schön findet, zu viel Energie, die man in Form von Essen eingeschoben hat, wieder zu verwerten, ist ebenfalls ein positiver Effekt.

Jetzt könnt Ihr ja sagen, ja, dass sind die Susis Erfahrungen. Stimmt, es sind meine, aber diese habe nicht nur ich allein gemacht – sondern sie sind durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt.

Gerade in meinem Psychologiestudium habe ich gelernt, wie wichtig eine gesunde Psyche für den Körper ist und der Körper für eine gesunde Psyche. Beide wirkt reziprok aufeinander.

Es ist mir daher ein großes Anliegen zu zeigen, wie gewinnbringend Laufen sowohl im sportlichen als auch im  gesundheitlichen und psychologischen Sinn ist.